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Malteser Stockach

SÜDKURIER Kreis Konstanz: Malteser gehen auf Vermisstensuche

21.05.2015
Bei einer Übung: Kerstin Hennings (rechts) und Sarah Dombrowski trainieren mit Hund Djury die Suche nach Personen. Die Malteser bauen eine ganze Staffel hierfür auf. Bild: Malteser

Konstanzer Hilfsdienst richtet eine Suchhundestaffel ein. Sie soll zum Beispiel verschwundene Demenkranke aufspüren.

Es liegt genau zwei Jahre zurück, als Manfred Reinhard verschwand. An einem Morgen brach der Patient der Kliniken Schmieder in Allensbach zu einem Spaziergang auf – und kehrte nicht zurück. Eine Suchaktion der Polizei blieb anfangs ergebnislos. Erst als eine Bürgerin den entscheidenden Hinweis gab, fanden ihn Beamte am Abend beim Schloss Freudental. Künftig sollen Vermisste schneller wieder zurück sein. Die Konstanzer Malteser haben hierfür eigens eine Suchhundestaffel eingerichtet.

Manfred Reinhards Verschwinden ist kein Einzelfall. Der damals 64-Jährige hatte als Folgeerscheinung einer Hirnschädigung die Orientierung verloren. Vor allem Demenzkranke geben immer wieder einmal Grund zur Sorge, wenn sie plötzlich fehlen. Doch nicht immer sind sie nahe dem Pflegeheim etwa wieder zu finden. „Wir sehen durch die zunehmende Weglauftendenz demenziell veränderter Menschen einen erhöhten Bedarf an Suchhunden“, erklärt Michael Norgauer, Stadtbeauftragter der Malteser in Konstanz und seit Jahrzehnten in der Notfallvorsorge tätig. Er freue sich, mit Kerstin Hennings eine Fachfrau für Suchhunde gefunden zu haben. Mit ihr zusammen bauen die Malteser die neue Staffel auf.

Was Kerstin Hennings mit ihren Vierbeinern betreibt, nennt sich Mantrailing. Der Hund erhält zum Beispiel ein Kleidungsstück mit dem Geruch der vermissten Person. Mit dem Duft in der Nase macht sich der Vierbeiner auf die Suche. Neben Demenzkranken zählen vermisste Kinder, labile Menschen, psychisch Kranke oder Menschen unter Schock zu dem Kreis, nach dem die Hundestaffel der Malteser im Ernstfall suchen soll. Teil der neuen Einheit kann unter gewissen Voraussetzungen jeder Hundehalter werden (siehe Infoleiste). Er muss sich im Klaren sein: „Es ist ein Leistungsdruck“, sagt Hennings.

„Wir testen Mensch und Hund, ob sie den Ansprüchen gerecht werden“, sagt Kerstin Hennings. Unter ihrer Leitung entsteht die Staffel. Sie ist selbst ausgebildete Mantrailerin und gibt ihr Wissen weiter. Seit 15 Jahren lebt sie in Gottlieben und bietet im Thurgau kommerzielle Hundeausbildungen an. Ihre Arbeit bei den Maltesern sei auf rein ehrenamtlicher Basis, sagt sie im Gespräch mit dem SÜDKURIER. Einige bereits weit ausgebildete Mantrailer bringt sie bereits in die neue Staffel mit. Und auch wer künftig Teil der Malteser-Einheit wird, tut dies auf freiwilliger Basis. Werden künftig Menschen vermisst, erhalten die zwei- mit ihren vierbeinigen Einsatzkräften einen Hilferuf der Malteser und, so ist geplant, von offiziellen Stellen wie der Polizei.

„Mich bestürzen Berichte darüber, dass ältere Menschen manchmal tagelang von zuhause oder aus dem Seniorenheim abgängig sind. Umso mehr freue ich mich, dass ich bei den Maltesern mit offenen Armen aufgenommen wurde und wir dieses umfangreiche Vorhaben umsetzen“, sagt Kerstin Hennings. Der Kontakt sei über Silvia Baumann von den Konstanzer Maltesern zustande gekommen, als diese bei der Hundetrainerin einen Hundekurs besucht habe.

Eine erste gemeinsame Einsatzübung bereitet Kerstin Hennings derzeit mit Sabine Hartauer und Christoph Walter vor, die für die interne Ausbildung der Malteser in Konstanz zuständig sind. Am Sonntag, 28. Juni, geht es mit allen Einsatzsanitätern, den ehrenamtlichen Hundeführern und vielen Helfern in den Wald oberhalb von Hof Höfen. Dort simulieren die Teilnehmer die Suche nach einer vermissten Wandergruppe. Ein unerlässliches Training, denn nur wenn sich die Malteser auf einander „verlassen können, können Hundeführer und Retter erfolgreich arbeiten“, erklärt Sabine Hartauer.


Was für die Ausbildung mit dem Suchhund notwendig ist

Ausbildung: Jeder Interessierte kann mit seinem Hund an der Ausbildung für die Suchhundestaffel der Malteser teilnehmen. Ein gewisses Maß an Sportlichkeit ist notwendig. Regelmäßige Trainings sind Voraussetzung. Sieben Ausbildungsstufen sind mit Kerstin Hennings, die achte ist eine Prüfung durch eine externe Person. Danach können Hundehalter offiziell in einen Einsatz gehen.

Informationsabend: Hundehalter, die sich ehrenamtlich in der neuen Suchhundestaffel engagieren möchten, erhalten weitere Details bei einem Infoabend am Freitag, 29. Mai, um 19 Uhr in der Dienststelle an der Friedrichstraße 23. Eine Anmeldung ist nicht notwendig. Vorab gibt es Details bei Silvia Baumann von den Maltesern unter der E-Mail-Adresse silvia.baumann@malteser.org

Einsatzgebiet: Die neue Suchhundestaffel der Konstanzer Malteser will ihre Arbeit nicht nur auf Konstanz beschränken, sondern im Raum Bodensee beim Auffinden von vermissten Personen helfen – das decke auch die Schweizer Seite mit ab, erklärt Leiterin Kerstin Hennings. Mantrailing, so der Fachbegriff, bedeutet, einem Menschen auf dessen Spur zu folgen. (phz)

 

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